Das Gesundheitsministerium will Millionen investieren, um dem Ärztemangel auf dem Land Herr zu werden. Die gesetzlichen Krankenkassen finden das falsch und verlangen eine bessere Umverteilung.
Das Versorgungsgesetz: die umstrittene Reform
Das Versorgungsgesetz soll die nächste große Reform des Bundesministeriums für Gesundheit werden. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler will mit diesem Gesetz dem Mangel an Fachärzten entgegenwirken und mehr Ärzten einen Anreiz bieten, sich in ländlichen Gebieten niederzulassen. Doch Vereinigungen wie der GVK-Spitzenverband und der Verband der Ersatzkassen vdek zweifeln am Versorgungsgesetz – unter anderem, weil sie befürchten, dass damit eine weitere Erhöhung der Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung nicht mehr fern ist. Denn die Kosten für Röslers Pläne sollen sich auf mehrere Millionen belaufen.
Ärztemangel oder falsche Verteilung?
Gesundheitsminister Rösler ist überzeugt von der Wirksamkeit des Versorgungsgesetzes. Der “Welt” gegenüber sagte er: “Wir müssen dafür sorgen, dass es wieder mehr Ärzte gibt.” Der GKV-Spitzenverband mit seinem Vize-Chef Johann-Magnus von Stackelberg hält dagegen: in einigen Teilen Deutschlands gäbe es sogar zuviele Ärzte. 25.000 überzählige niedergelassene Ärzte in überversorgten Regionen stünden lediglich 800 fehlenden Medizinern in den so genannten Ärztemangelgebieten gegenüber. Somit sei eher von einem Verteilungsproblem denn von einem wirklichen Ärztemangel zu reden. Auch andere Experten stützen diese Ansicht. Der Vorstandsvorsitzende des vdek Thomas Ballast erklärt, es habe “noch nie so viele Ärzte wie im Moment” gegeben.
Beitragserhöhungen bei Krankenkassen befürchtet
Die Politik sieht das allerdings anders. Sie will in den ländlichen Gebieten finanzielle Anreize für Mediziner, aber auch für Krankenhäuser schaffen, die mehr Allgemeinärzte in den unterversorgten Gebieten ausbilden sollen. Die GKV-Verbände hingegen fordern, solche Mehrausgaben mit Abschlägen für Ärzte in den überversorgten Gebieten auszubalancieren – die Kosten der neuen Reform könnten sonst ausufern, was am Ende zu Lasten der Versicherten gehen würde. Die von den gesetzlichen Krankenkassen befürchteten Belastungen des neuen Gesetzes würden nämlich bedeuten, dass ihre Mitglieder mit Beitragserhöhungen oder Zusatzbeiträgen zu rechnen hätten.
